Lady Sas Interview
10.07.2025 Author: Lorenz Engel
Femdom mit Herz und Verstand
Lady Sas und Lady Victoria zählen zu den bekanntesten Stimmen der deutschsprachigen Femdom-Community. Mit ihrem Blog Lady-Sas.com bieten sie seit Jahren Inspiration, Aufklärung und ehrliche Einblicke in eine facettenreiche Welt jenseits von Klischees. In diesem Interview erzählen sie von ihren persönlichen Wegen zur Femdom-Rolle, geben Einblick in typische Anfängerfehler, sprechen über Macht, Missverständnisse – und über die Kraft des Humors.
Wie hat sich dein persönlicher Weg zur Femdom Expertin entwickelt – gab es einen Schlüsselmoment, der dich zur Gründung von Lady Sas inspiriert hat?
Lady Victoria: Ich war schon immer neugierig darauf, welche Facetten Sexualität zu bieten hat und durchforstete das Internet nach neuen Spielarten. Das Thema Fetisch und Femdom hat mich sofort fasziniert. Ich landete auf Saskias Website, die umfangreiche Infos für dominante Frauen und devote Männer bietet und nahm schließlich Kontakt mit ihr auf. Saskia hat mich unter ihre Fittiche genommen und ich konnte mich in einem sicheren Umfeld ausprobieren. Bald schon hatte ich Blut geleckt. Die Chemie passte so gut, dass wir heute Lady-Sas.com gemeinsam führen. Ich möchte betonen, dass Saskia und ich rein private Femdoms sind. Wir sind keine Profi-Dominas und wir bieten keine Sessions gegen Bezahlung an. Wir sind beide berufstätig. Unser Projekt läuft nur nebenbei in der Freizeit.
Lady Sas: Bei mir verlief die Entwicklung zur Herrin leider weniger erfreulich. Ich stand vor den Trümmern meiner Ehe und hatte zwei Möglichkeiten: jammern und mich zurückziehen – oder nochmal neugierig angreifen und mutig sein. Ich war damals selbst ganz neu in der Femdom-Szene und hatte viele Fragen. Ich wusste, dass es Profi-Dominas gibt, die meine Fragen mit Leichtigkeit beantworten könnten. Aber: Warum sollte eine Domina sich Zeit für meine Fragen nehmen? Da kam ich auf die Idee meine Fragen als Interview für einen Femdom-Blog zu verpacken. Irgendwann waren meine Fragen beantwortet, aber meine Neugierde blieb. Es war immer wieder spannend, die Sichtweise einer starken Frau kennenzulernen und ihre Geschichte zu hören. Inzwischen haben wir eine dreistellige Zahl von Interviews mit großartigen Tops und Subs aus der ganzen Welt auf der Website – von Hannover bis Hong Kong, von München bis Los Angeles. Darunter einige weltbekannte Stars der Szene – aber auch rein private Herrinnen und Subs.
Welche Rolle spielt Humor in deinem Femdom Ansatz?
Lady Sas: Ich denke, ich spreche für uns beide, wenn ich sage, dass wir uns gerne in der Session über einen Sub amüsieren. Wir nehmen den Femdom-Spaß ernst, aber nicht zu ernst. Am Ende sind wir alle nur Menschen und wollen eine gute Zeit haben. Wenn man dabei zusammen lachen kann – wunderbar.
Du gibst viele Tipps für Anfängerinnen im BDSM Bereich. Was sind deiner Meinung nach die häufigsten Missverständnisse, mit denen Neulinge konfrontiert werden?
Lady Victoria: Frauen neigen dazu, es dem Mann recht machen zu wollen. Wer als Femdom startet, muss sich erst einmal bewusst von solchen Vorstellungen freimachen und erkennen: Hier stehe tatsächlich ich an erster Stelle – und der Sub erst an zweiter. Auf der anderen Seite haben männliche Subs häufig das Gefühl, sie müssten ihre Herrin coachen und betreiben dabei Topping From The Bottom. Ebenfalls sehr verbreitet ist das Klischee, als Herrin dürfte man keinen Sex mit dem Sub haben. Was für ein Unsinn! Als Herrin darf man alles, worauf man Lust hat – natürlich im Rahmen der Vereinbarungen und unter Beachtung der Tabus, das ist klar.
Lady Sas: Sehr verbreitet ist bei neuen Femdoms auch die Vorstellung, sie müssten ständig etwas tun in der Session. Viele denken, die Session wäre eine Art Show, in der sie ständig für Action sorgen müssten. Das führt dann schnell zu Hektik und Stress. Himmel, was soll ich nur tun? – Ich empfehle dann, einfach mal nichts zu machen und zu beobachten, was passiert. Überraschung: Die Welt geht nicht unter. Der Sub wartet brav und geduldig auf den nächsten Befehl der Herrin, das ist alles. Als Femdom kann man immer ganz entspannt bleiben und in aller Ruhe den nächsten Schritt planen. Aber das muss man erst einmal verstehen und praktisch ausprobieren.
Wie hat sich die BDSM Community deiner Meinung nach in den letzten Jahren verändert, insbesondere im Hinblick auf die Sichtbarkeit und Akzeptanz von Femdom Praktiken?
Lady Sas: Wir stellen fest, dass die Gesellschaft offener geworden ist für das Thema Femdom. Es ist cool, eine starke, dominante Frau zu sein. Weibliches Empowerment ist angesagt. Die Sichtbarkeit von Profi-Herrinnen ist gerade in den sozialen Medien deutlich gestiegen. Natürlich gibt es auch Schattenseiten. Sagen wir mal so: Nicht alle BDSMler sind souverän und freundlich. Manche bestehen darauf, dass BDSM genauso sein muss, wie sie das wollen. Wenn jemand das anders sieht, wird er aggressiv niedergemacht. Das ist schade. Wir betonen immer wieder, dass es kein Gesetz gibt, das BDSM verbindlich regelt. Jeder soll sich so ausleben, wie er oder sie das möchte. Wir zeigen nur Möglichkeiten auf und inspirieren dazu, seinen eigenen Weg zu gehen. Aber wir stellen keine Gesetze auf, das ist nicht unser Ansatz.
Was war dein lustigster oder absurdester Moment in einer Femdom Dynamik?
Lady Victoria: Mir hat sich einmal ein Sub in einem Peniskäfig präsentiert, der den Penis extrem flach zusammengedrückt hat. Das sah tatsächlich so aus, als hätte er keinen Penis mehr. Ich sah das runde Metallplättchen und darunter seine Hoden, aber eben keinen Penis. Da war ich doch ziemlich perplex und dachte mir nur: Hey, was geht denn hier ab, wo ist denn sein Penis? Als ich den Käfig später öffnete, war das Rätsel schnell gelöst.
Lady Sas: Lustig finde ich, wenn ich E-Mails von Subs erhalte, die mich mit „ehrwürdige Lady Sas“ anschreiben. Ich mag vieles sein, aber „ehrwürdig“ bin ich nicht, das klingt echt old-school.
Du hast einen umfangreichen Blog mit vielen Ressourcen. Welche Themen liegen dir besonders am Herzen, wenn es um die Aufklärung im BDSM-Bereich geht?
Lady Sas: Unser zentrales Thema ist der Einstieg in den BDSM-Bereich. Wir wollen unsere Leserinnen und Leser informieren und inspirieren. Starke Frauen möchten wir dazu ermutigen, sich auf ihre dominante Seite einzulassen. Und männlichen Subs wollen wir helfen, ihre Rolle zu finden und Spaß daran zu haben.
Worin liegt die wahre Macht einer Femdom – Stimme, Blick oder Haltung?
Lady Sas: Die wahre Macht einer Femdom liegt in der unerfüllten Sehnsucht des Subs. Eine Femdom hat nur deshalb Macht, weil der Sub sie ihr gibt. Das darf man als dominante Frau nie vergessen. Subs haben deshalb unseren größten Respekt verdient. Und natürlich ist es wichtig, als dominante Frau ein stimmiges Bild abzugeben. Stimme, Blick, Haltung, Outfit – das spielt alles eine Rolle.
Was erwartet uns in Zukunft von Lady Sas und Lady V? Gibt es Projekte oder Überraschungen, auf die sich eure Community freuen darf?
Lady Victoria: Na klar, wir werden weitere spannende Interviews mit Tops und Subs aus der ganzen Welt veröffentlichen, weitere hilfreiche Ratgeber und interessante Erlebnisberichte herausgeben und auch wieder einige private Events durchführen. Wir freuen uns schon darauf! Das wird super.

Das Team von Lady Sas: Sub jO, Lady Victoria, Lady Franziska und Lady Sas.
Foto: Thomas F., Bildbearbeitung mit KI: Lady Franziska